Worldbuilding

Jahr 0 — Die Ankunft

Jedes Reich hat einen ersten Tag. Unserer begann in einer Höhle, im Jahr 926 nach Christus.

14.03.2026

Jedes Reich hat einen ersten Tag. Unserer begann in einer Höhle, im Jahr 926 nach Christus.

Im Dorf Häggenschwil wächst ein vierzehnjähriger Junge namens Jakob auf. Es ist ein Leben wie tausend andere in jener Zeit: Felder, Vieh, der Klang der Glocken, der Wechsel der Jahreszeiten. Niemand in Häggenschwil ahnt, dass sein Name dereinst am Anfang einer Zeitrechnung stehen wird, die nicht mehr nach Christus zählt — sondern nach ihm. Nach ihnen allen.

Denn in jenem Jahr erreichen Gerüchte die Region. Gerüchte von Krieg, von brennenden Dörfern, von einem Feind, der aus dem Osten kommt und nichts verschont. Die Bewohner von Häggenschwil tun das Einzige, was ihnen bleibt: Sie nehmen, was sie tragen können, und fliehen in die Berge.

Sie suchen Schutz in einer Höhle.

Und dort geschieht etwas, das bis heute niemand erklären kann.


Der Engel

In der Dunkelheit erscheint eine Gestalt. Die Überlieferung nennt sie einen Engel — denn ein anderes Wort hatten die Menschen jener Zeit nicht für das, was sie sahen. Die Gestalt spricht. Sie verkündet das Ende ihrer Welt. Und sie verspricht eine andere.

Was dann geschah, hat keiner der Überlebenden je in Worte fassen können. Ein Licht. Ein Übergang. Ein Augenblick, der sich anfühlte wie Schlaf und wie Fallen zugleich.

Als Jakob und die anderen erwachen, ist die Höhle fort. Fort sind die Berge, das Dorf, die Welt, die sie kannten.

Sie stehen unter einem fremden Himmel.


Eine Welt, die schon bewohnt war

Was sie vorfinden, hat keine Karte je verzeichnet: unbekannte Landschaften, ein Horizont, der falsch steht, uralte Ruinen, deren Erbauer längst vergangen scheinen.

Doch die neue Welt ist nicht leer.

Sie gehört bereits einem Volk — den Alben.

Und die Alben sehen die Ankunft der Menschen nicht als Wunder. Nicht als Rettung. Sie sehen Fremde, die aus dem Nichts erscheinen, sich auf ihrem Land niederlassen und immer mehr werden. Sie beobachten. Sie warten. Und ihr Misstrauen wächst mit jeder neuen Siedlung, die am Rand ihrer alten Reiche entsteht.

Aus Angst wird Feindschaft

Es kommen weitere. Aus der alten Welt erscheinen immer mehr Menschen — verängstigt, entwurzelt, auf der Suche nach einem Platz zum Leben. Sie roden, sie bauen, sie bleiben.

Gerüchte verbreiten sich auf beiden Seiten. Bei den Menschen über die stillen, beobachtenden Fremden in den Wäldern. Bei den Alben über die Flut, die kein Ende zu nehmen scheint.

Und langsam, unausweichlich, wird aus Angst etwas Anderes. Ein Konflikt zieht herauf — einer, der beide Völker für immer verändern wird.


Das Erbe einer fremden Welt

Doch dieser Boden, auf den die Menschen geworfen wurden, war nicht roh. Er trug Spuren.

Die uralten Ruinen, die zwischen den Wäldern und Hügeln lagen, waren nicht nur Stein. In ihnen schlief Wissen — die Hinterlassenschaft derer, die lange vor den Alben gegangen waren. Und die Macht, die Jakob und sein Dorf hergebracht hatte — jene „Engelstechnik“, für die das Mittelalter kein Wort besaß — war nicht verschwunden. Sie war da. Sie wartete darauf, verstanden zu werden.

Was folgte, war beispiellos. Menschen, die mit Pflug und Glaube gekommen waren, lernten zu lesen, was die Ruinen lehrten. Im Konflikt und im Austausch mit den Alben wuchsen sie über sich hinaus. Generation um Generation überschritten sie Grenzen, die ihre Vorfahren nicht einmal hätten denken können.

Aus einer Handvoll Flüchtlinge in einer fremden Welt wurde ein Reich. Aus dieser ersten Welt — Neuradon — wurde sein Herz. Und von hier aus, getragen von geerbtem Wissen und eigenem Willen, griff die Menschheit schließlich nach den Sternen.


Dies ist Jahr 0 nach der Ankunft der Menschheit (n.AM) — der Nullpunkt unserer Zeitrechnung. Alles, was später kam — die drei Kaiserinnen, die Kolonien zwischen den Sternen, das Reich selbst — nahm hier seinen Anfang. Auf Neuradon. In einer Höhle. Mit einem Jungen namens Jakob.

🗺 Neuradon ist bis heute das Herz des Reichs. Wo es liegt — und wie weit die Menschheit von hier aus gekommen ist — zeigt die interaktive Sternenkarte.

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